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3.) Swing, ternär, Swing-Notenpaar --- FÜR DIE SCHULE


Als der Jazz noch Tanzmusik war, fuhren massenweise junge Leute auf seinen Rhythmus ab, auf sein spezielles Feeling, das die Musiker Swing nannten. Ein Meister dieser Musik, der Schlagzeuger Jo Jones, wurde einmal gefragt, was dieser Swing eigentlich ist, und er antwortete: Swing ist wie Schönheit – etwas, das man nicht beschreiben kann. Louis Armstrong sagte: Wenn Du fragen musst, wirst Du es nie verstehen.

Dennoch glaubten manche Musiktheoretiker, Swing erklären zu können. Eine weitverbreitete Theorie führt das Swing-Gefühl darauf zurück, dass Achtelnoten triolisch oder ternär gespielt werden. Das ist nicht ganz richtig. Doch kommt diese Erklärung auch in einigen Schulbüchern vor und daher erläutere ich sie kurz am Ende des Videos.

Das Notensystem kann musikalische Qualitäten wie Swing und Groove nicht abbilden. Theorie verschafft hier keinen Zugang. Es ist aber hilfreich, Folgendes zu wissen: Im Jazz werden die Töne nicht so starr gespielt, wie das Notensystem vorsieht. Sondern es gibt da einen gewissen Spielraum, eine Flexibilität und die dient dazu, Feeling zu erzeugen. Die Meister des Jazz betreiben das mit großer Kunst. Diese Kunst stammt aus einer afro-amerikanischen Subkultur, die großen Wert auf geschickte, geschmeidige, lässige Bewegung legt – im Sport, im Tanz, in der Art, wie man sich im Alltag bewegt und eben auch in der Musik. Wenn man ein Gefühl für Swing und Groove bekommen möchte, hört man am besten die Meister aus dieser Subkultur und genießt die Lust an der Bewegung in ihrer Musik.
          HÖRBEISPIEL: Steve Coleman and Five Elements: I’m Burnin Up (1995)

Mehr zu Swing und Groove auf meiner Website. Die Adresse steht in den Video-Infos.

Nun noch kurz zur theoretischen Swing-Erklärung, für den Fall, dass man sie in der Schule braucht:

Ich beginne mit vier Beats oder Grundschlägen: 1,2,3,4. Das sind vier Viertelnoten. Darüber lege ich Achtelnoten: 1,2,3,4,5,6,7,8. Grafisch dargestellt sieht das so aus. Oben sind die vier Viertelnoten dargestellt und unten die acht Achtelnoten. Die Achtelnoten unterteilen jeden Beat in zwei gleich lange Teile. So sieht es das Notensystem vor. Bei Jazz-Musikern sind die Achtelnoten, die zwischen den Beats liegen, aber oft nicht genau in der Mitte, sondern ein wenig verschoben, und zwar zum nächsten Beat hin. Die Achtelnote auf dem Beat ist also verlängert, die Achtelnote zwischen den Beats entsprechend verkürzt. Zusammen ergibt dieses Paar aus langer und kurzer Note immer die Dauer eines Beats.

Im Notensystem liegt nach der Mitte eine Triole. Tri/tre heißt drei. Die Triolen unterteilen den Beat in drei Teile, also 1,2,3. Die erste Triole liegt auf dem Beat, die zwei anderen zwischen den Beats. Wir haben bei den Swing-Achteln aber nur einen Ton zwischen den Beats. Daher lassen wir die zweite Triole aus und spielen nur die erste und dritte Triole. Also 1 - 3, 1 – 3, 1 und so weiter. So werden swingend gespielte Achtelnoten oft dargestellt und daher wird von einer triolischen oder ternären Spielweise gesprochen. Ternär bedeutet dasselbe wie triolisch. Ternär ist die Dreierunterteilung des Beats, binär die Zweierunterteilung.

In Wahrheit liegen die kurzen Swing-Achtelnoten aber nicht auf der dritten Triole, sondern in einem Graubereich zwischen der Triole und der Mitte des Beats – wo genau, das variiert stark, je nach Tempo des Stückes, nach dem persönlichen Stil des Musikers und so weiter. Die Swing-Achteln liegen also zwischen einer ternären und einer binären Unterteilung.

Außerdem wird Swing nicht nur durch diese kleinen Verschiebungen der Töne erzeugt, sondern durch die gesamte musikalische Gestaltung. Das ist eine hochentwickelte Feeling-Sache, die das Notensystem überhaupt nicht erfassen kann.
Mehr auf meiner Website.

 

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