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6.) Jazz-Afro-Roots --- FÜR DIE SCHULE


Der Jazz verwendet überwiegend europäische Instrumente und das europäische Tonsystem. Sein Werkzeug und sein Baumaterial sind somit weitgehend europäisch. Wo ist da ein afrikanisches Erbe? In Kuba gibt es großartige Trommelmusik, die typisch afrikanisch ist, an anderen Orten der Karibik und in Brasilien ebenfalls. In Nordamerika hingegen wurde das Trommeln der aus Afrika verschleppten Sklaven so rigoros unterbunden, dass es praktisch verschwand. Dennoch blieben auch dort die afrikanischen Einflüsse erhalten – auf einer tieferen Ebene, auf der Ebene der grundlegenden Musikauffassungen. Und in dieser Form gelangten sie in den Jazz. Mehr dazu auf meiner Website.

Außerdem ist im Jazz eine Art Motor eingebaut, der das afrikanische Erbe nicht nur bewahrt, sondern immer stärker gemacht hat: Für viele intellektuelle Afro-Amerikaner ist nämlich ihre afrikanische Herkunft ein wichtiger Teil ihrer Identität. Aus diesem Grund streben Jazz-Musiker oft nach einer Wiederverbindung mit afrikanischen Wurzeln. In musikalischer Hinsicht ist für sie vor allem die hochentwickelte Rhythmik aus West-Afrika interessant. Und dieses Interesse brachte die ohnehin starke Rhythmik des Jazz auf ein sehr hohes Niveau.

Die Auseinandersetzung mit afrikanischen Rhythmen begann im Wesentlichen in den 1940er Jahren durch Musiker wie Dizzy Gillespie, Charlie Parker und Max Roach. Sie fingen damals an, mit afro-kubanischen Trommlern zusammenzuarbeiten.
          HÖRBEISPIEL: Dizzy Gillespie and His Orchestra: Manteca (1947)

Die aus Afrika stammenden kubanischen Trommelrhythmen unterscheiden sich allerdings grundlegend vom swingenden Jazz-Rhythmus. Daher bereitete die Kombination der beiden Rhythmusarten Schwierigkeiten. Es brauchte einen überragenden Meister wie Charlie Parker, um über afro-kubanischer Perkussion ein völlig stimmiges Jazz-Solo zu spielen.
          HÖRBEISPIEL: Charlie Parker with Machito and His Afro-Cuban Orchestra: Mango Mangue (1948)

Sonst blieb stets eine Reibung zwischen den Afro-Kubanern und den swingenden Jazz-Musikern bestehen. Doch regten die komplexen rhythmischen Überlagerungen, wie sie in afro-kubanischer Trommelmusik gespielt werden, die Jazz-Musiker an, sich in rhythmischer Hinsicht weiterzuentwickeln. Und das führte zu ausgesprochen kunstvollen Spielweisen.
          HÖRBEISPIEL: Booker Little: We Speak (1961, Schlagzeug-Solo: Max Roach)

Manche Musiker begannen, nach Afrika zu reisen und dort von Trommelmusiktraditionen zu lernen. Das bereicherte die Jazz-Rhythmik weiter.
          HÖRBEISPIEL: David Murray QuartetOff Season (1983, Schlagzeug-Solo: Ed Blackwell)

Einen neuen Ansatzpunkt lieferte dann die afro-amerikanische Tanzmusik, vor allem jene, die James Brown Ende der 1960er Jahre hervorbrachte und die Funk genannt wurde. Diese Musik beruhte nicht auf dem swingenden Jazz-Beat, sondern ähnlich wie die west-afrikanische Trommelmusik auf einer Überlagerung verschiedener rhythmischer Figuren.
          HÖRBEISPIEL: James Brown: Mother Popcorn (1969)

Manche Jazz-Musiker griffen diese Funky-Music auf und adaptierten sie, um sie mit der variierenden, fließenden Art des Jazz zusammenzubringen.
          HÖRBEISPIEL: Freddie Hubbard: Mr. Clean (1970)

Solche Ergebnisse machten Jazz für ein breiteres Publikum attraktiv, waren aber weniger kunstvoll als die Meisterwerke der Jazz-Tradition. Sie erreichten auch nicht den Reiz hochentwickelter west-afrikanischer Trommelmusik und so viel Drive wie die James-Brown-Band hatten sie auch nicht. Um 1990 verband dann jedoch der Saxofonist Steve Coleman verschiedene Ansätze des Jazz, das west-afrikanische Modell und die James-Brown-Rhythmik und er entwickelte daraus komplexe Grooves, die als Basis für seine brillante Musik dienten.
          HÖRBEISPIEL: Steve Coleman and Five Elements: First Cause (1996, live)

Mehr dazu auf meiner Website. Die Adresse steht in den Video-Infos.
Im nächsten Video komme ich zurück zum Stoff der Schulbücher und bespreche die so genannten Jazz-Stile.

 

Mehr zu Afro-Roots: Link
Mehr zum Wiederverbinden mit Afro-Roots: Link
Mehr zu Funk: Link
Mehr zum Funk-Einfluss auf den Jazz: Link

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