Der Musikunterricht der allgemeinbildenden Schulen weckt heute wenig Interesse
an klassischer europäischer Musik, gibt aber Grundkenntnisse mit, auf die man
später jederzeit zurückgreifen kann. Bach, Mozart, Beethoven und so weiter sind
allen bekannt.
Dass der „Jazz“ genannte Musikbereich im Kern ebenfalls eine großartige Musikkultur enthält – hervorgebracht von Meistern, die Armstrong, Parker, Coltrane und so weiter heißen –, vermitteln die Schulen hingegen offenbar wenig. Louis Armstrong ist noch vielen bekannt – als alte, clowenhafte Figur des Showgeschäfts, nicht als richtungsweisender Meister der frühen Jahre. Von Charlie Parker und John Coltrane kennen selbst unter Gebildeten viele nicht einmal den Namen. Dabei begeistert diese anspruchsvolle Musik – in aktueller Form – auch heute eine Menge Leute.
MUSIK: Steve Coleman and Five Elements: Spontaneous Drum (2024)
Die Tradition der Jazz-Meister ist der besonders kunstvolle Teil der vielfältigen afro-amerikanischen Subkultur. Diese Kunst unterscheidet sich wesentlich von der klassischen europäischen und wird daher vom herkömmlichen Kunstverständnis nicht erfasst. So betrachtet die europäische Musikwissenschaft Jazz insgesamt als populäre Musik oder als Musikart zwischen Pop und Kunst. Auf mangelndem Verständnis für diese außer-europäische Musikkultur beruhen auch die Jazz-Merkmale und Jazz-Stile der Schulbücher. Die Merkmale spiegeln die klassische Perspektive wider und die Stile wurden vor langer Zeit von Jazz-Kritikern konstruiert, die weit davon entfernt waren, Insider der Musikkultur der Meister zu sein. Heute ergeben viele Informationen aus dieser Kultur selbst ein wesentlich realistischeres Bild.
Die Schulen sollten ein Grundverständnis des Jazz vermitteln, das dem aktuellen Kenntnisstand entspricht und den kulturellen Stellenwert der Meister würdigt. Ein solches Grundverständnis stelle ich in einer eigenen Video-Reihe vor.